Coppi und Bartali zwischen 1940 und 1943, von unbekannt abgelichtet (Quelle: Wikimedia Commons)
Fünf Tage mit dem Rad rennen im Zeichen von Fausto und Gino: Gestern war es für 2022 vorbei damit – und am Ende war nicht der stets zu Scherzen aufgelegte Paolo Bettini (hihi, das waren noch Zeiten!), sondern der ja ohnehin auch viel jüngere Ire Eddie Dunbar vorne. Und der sagte immerhin vor ein paar Jahren schon: „I won’t quit cycling till I’ve won the Tour de France.“ Na denn man denn!
Signore Bettini 2006 beim Zeitfahren der Settimana – orangefarbene Streifen NICHT original übrigens (Autor: Enrico Siboni at Wikipedia – Quelle und Lizenz)
Okay, man wundert sich schon, welche hohen Kosten für neue oder zu sanierende Fahrradwege so aufgerufen werden… Aber abgesehen von der Notwendigkeit vons Janze: Dass neuerdings Überlegungen auftauchen, die Radfahrendenan diesen staatlichen Ausgaben zu beteiligen, wie ja auch Auto-Leute über Steuern u.a. für den Straßenbau zur Kasse gebeten werden, ist absurd! Schön und argumentativ unterfüttert nachzulesen bei spiegel.de anlässlich des Vorstoßes in der Schweiz, wo eine von 45 Politiker*innen unterstützte Gesetzesinitiative gerade anpeilt, Radelnde mit Hilfe einer Fahrrad-Vignette an den Infrastrukturkosten für den Veloverkehr zu beteiligen.
Ein paar Stichworte: Steuern sind nicht zweckgebunden, auch nicht Kfz- und Energiesteuer – Steuern gehen an den Bund, die Radwege bauen und betreuen die jeweiligen Bundesländer – die Energiesteuer auf Sprit wird zwar kommunal verteilt, fließt aber in große Infrastruktur-Vorhaben (Radwege zählen bei aller Aufwendigkeit selten dazu) – 2022 werden von 18 Milliarden (!) Euro, die laut Bundeshaushalt der Verkehrsinfrastruktur insgesamt dienen, 17 Milliarden zur Hälfte Straßen und Schienen, rund 1 Milliarde ist für Wasserstraßen eingeplant; errechne den Rest… – auch die 2020 bis 2023 bereitgestellten knapp 1,5 Milliarden Euro für die Fahrradförderung des nehmen sich daneben bescheiden aus! Spiegel-Autor Jürgen Pander weiß außerdem: „Nach Ansicht mancher Fachleute wären wohl ohnehin Zuschüsse für Radfahrer eher angezeigt als Abgaben“. Schon 2019 wies nämlich eine schwedische Studie nach, dass jeder Kilometer, der mit dem Auto zurückgelegt wird, „gesellschaftliche Kosten – etwa durch Unfälle, Schadstoffausstoß, Lärmbelastung – von rund 11 Cent verursacht“. Viel, viel besser und auf der Haben-Seite steht das Radfahren da: Pro Kilometer entsteht ein „gesellschaftlicher Gewinn von 18 Cent“! (Für jeden Zu-Fuß-Kilometer wurde dar ein Plus von 37 Cent errechnet). Und wieso das alles? Ich zitiere: „Fahrradfahren und Zufußgehen seien erheblich umweltschonender, platzsparender, gesünder – und mithin vorteilhafter für die Gesellschaft insgesamt.“ Und jetzt kommst du!
….und gerade erst von einer Bronchitis genesen, scheint stabil zu sein nach den Herzproblemen hinter der ersten Ziellinie bei der Katalonien-Rundfahrt. Durchhalten!!!
Am Mittwoch gab’s mit Mailand-Turin das Warmfahren – und am Samstag ist es dann soweit: Von Mailands Velodrom geht die Primavera ab an die Blumen-Riviera nach Sanremo! Alaphilippe hat zwar Vertrag, aber Bronchitis, und statt stattdessen mit Cavendish den nigelnagelneuen Mailand-Turin-Sieger auf die 293 Kilometer zu schicken, wird das Team mit Jakobsen aufgefüllt. Profisport muss nicht logisch sein! Und ein Profisportler auch nicht, übrigens. Sonst hätte Peter Sagan sich im letzten Jahr wohl auch nicht „wie ein Verrückter“ gerieren müssen, als er und sein Bruder Juraj in Monaco in eine Polizeikontrolle gerieten und sich der angetrunkene Slowake aus Furcht, „zwangsgeimpft zu werden“, massiv gegen eine Fahrt zum Hospital wehrte. Äääähemmm. Inzwischen beteuert sein Manager, Sagan sei doppelt geimpft. Und inzwischen ist er außerdem doppelt genesen – und will am Samstag nach Gesundwerd-Pause wieder angreifen. Als einmaliger Zweiter und vierfacher Vierter seit 2011 beim ersten Monument jedes Jahres hat er ja auch ein klares Ziel vor Augen. Wir erinnern uns an 2017, als er mit dem dann Dritten Alaphilippe und dem späteren Sieger Kwiatkowski um den Sieg in Sanremo sprintete:
Primavera-Finish vor fünf Jahren (Bild: Claudio Martino bei Wikimedia Commons/Lizenz)
An der Via Roma einen Schlusssprint-Stehplatz zu ergattern, ist wohl eine Herausforderung. Auch an der Cipressa oder dem Poggio, wo sicher wieder die entscheidenden Sprints ausgefahren oder Attacken gestartet werden, könnte es eng werden. In Ospedaletti aber, am Tunnel Capo Nero, ist das Dabei-Sein sicher am gänsehautnahsten!
Tunnel als Denkmal (Bild: Patafisik bei Wikimedia Commons/Lizenz)
Hier huldigen im Nineties-Style beleuchtete Tafeln nicht nur legendären Fahrern, sondern La Classicissima selbst als Monumentalmonument seit 1907. Und hier fahren an den anderen 364 Tagen im Jahr auch ganz andere Leute durch: Solche, die von der Pista ciclabile del Ponente ligure wissen, der ehemaligen Bahnstrecke, die über immerhin 24 Kilometer zu einem Radweg der reinen Freude ausgebaut wurde – durch Tunnel oder bergiges Terrain zweispurig meist direkt an der aussichtsspektakelreichen Küste entlang. Amateurhaft also im allerbesten Liebhaben-Urwortsinne!
Pista ciclabile del Ponente ligure (Quelle: https://www.pistaciclabile.com/de/karte/)
Und im Hinterland haben denn auch Mountainbike-Bekennende viel zu kurbeln und lachen: Da lagern majestätische Täler und grüüüüne Hügel, die sich zu gewaltigen Bergen auswachsen und klarmachen, warum Ligurien-Fans so von Mare e Monti schwärmen. Wenigstens die Fernsehbilder werden uns ab Samstagmorgen dahin entführen: Wetter soll sonnen, alles ist wohlbereitet. Fahrrad!! Fahren!!
Die beiden slowenischen Wunderfahrer dominieren die beiden wunderschönen Wochenrennen, auch wenn Pogacar gestern eine italienische Kurve verpasste… Bei Paris-Nizza fallen nach Doppeltitelverteidiger Schachmann reihenweise weitere Fahrer mit Unwohlsein aus, bei Tirreno-Adriatico war Doppel-Corona-Genesener Peter Sagan der prominenteste Aufhörer. Trotzdem natürlich alles spektakulär und weiter spannend. Und diese Aussichten!!! Immer so Hügel, Kirche, Bäume, Hügel, Meer. Aaaaaah!
Hier ja auch Sonne, aber soooo kalt. Da verlockt die Aussicht auf Live-Übertragungen mittenmang in die gute, warme, muggelige Stube. Bei Eurosport gibt’s die beiden Schlussetappen beider Rennen: heute ab mittags erst Frankreich, dann Italia – morgen das Ganze in anders rum. Wunderbar.
Und auch die Männer haben einen vollen WorldTour-März vor sich – einen sehr viel volleren übrigens… Denn es ist Klassikertime, und das heißt auch: öfter mal mit ohne! Alles beginnt wie bei den Frauen am 5. März mit der Strade Bianche.
Strade Bianche im Pinienzypressenland (Foto: Adrian Betteridge, CC BY 2.0, via Wikimedia Commons)
Und hier mit einem Blick zurück nach vorn:
Männer-WorldTour-Termine des kommenden Monats:
5. März: Strade Bianche (am selben Tag wie die Frauen) 6.-13. März: Paris Nizza (ohne Frauen-Pendant…) 7.-13. März: Tirreno-Adriatico (s.o.) 19. März: Mailand-Sanremo (immer noch mit ohne Femminile-Version) 21.-27. März: Katalonien-Rundfahrt (s.o.) 23. März: Driedaagse Brugge-De Panne (einen Tag vor den Frauen) 25. März: E3 Harelbeke (mit ohne again) 27. März: Gent–Wevelgem (sieh an: wie die Frauen!) 30. März: Dwars door Vlaanderen (wieder mit ohne) …immerhin die Flandern-Rundfahrt am 3. April dann wieder parallel. Jippie?!
Ein paar Plätze sind wohl noch frei für das radwandernde Rennen Further („ein ausgeklügeltes und grausames Experiment der Performance-Kunst“??) vom 26.-29. August: Da geht es auf und unterm Rad kreuz und querfeldein durch die mächtigen und mächtig unterschätzten Pyrenäen. Soooo schön da!!! Further-Macher und Neu-Local Camille MacMillan hat versucht, dem Spiegel seine Faszination jenseits vom alpinen in your face zu erklären.
Bald geht es los mit der Women’s WorldTour 2022, wenn auf den toskanischen Strade Bianche der Startschuss fällt. Bis zur achttägigen Tour de France Femmes sind’s noch einige Monate – aber die Frühjahrsklassiker versprechen Aufregung genug! So wie das ganze letzte Jahr:
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das Astana-Team irgendwie zu featuren… Dieser Sprechgesang ist einfach zu…äääh: speziell??? Deshalb mit allem gebotenen Abstand zu Doping-Verfehlungen und politischen Verwicklungen (Kasachstan stand 2021 auf Platz 155 der Rangliste der Pressefreiheit von Reporter ohne Grenzen, also von 180 insgesamt ma sagen…): Nibali und so am Mic. Und sei es nur als Statement gegen jeden Starkult.
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