Archiv für die Kategorie „Sportlich“

Mensch. Maschin.

Ellen van Dijk, heute, in Grenchen, um 17 Uhr, mit neuem UCI-Stundenweltrekord? Zu übertreffen sind die 48,405 Kilometer, die sich Joscelin Lowden am 30. September 2021 im selben Velodrom erarbeitete.

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Den Livestream kommentieren werden Lizzie Deignan und der ehemalige Stundenweltrekordhalter Jens Voigt, der es für gar nicht mal so sehr unwahrscheinlich hält, dass van Dijk an seine eigene Bestmarke von 2014 heranfährt. Das wären dann satte 51,115 Kilometer.
Ähnlich Bahnbrechendes hat sich Filippo Ganna für den 23. oder 24. August vorgenommen: die 55,089 Kilometer nämlich, die der bis heute rekordhaltende Belgiker Victor Campenaerts 2019 binnen 60 Minuten erradelte. Auch Ganna wird dies in Grenchen versuchen und damit 1.435 Meter tiefer gelegt als Campenaerts, der im mexikanischen Aguascalientes auf 1.885 Meter Höhe startete.

Maschin

Ruhetag beim Giro – durchatmen. Sechs Renntage müssen die noch 158 Fahrer (von einst 176) überstehen. Blicken wir also vorsichtig voraus auf den kommenden Sonntag: Finale in Verona. Mit dem zweiten Einzelzeitfahren, bevor dann alles vorbei sein wird. Showtime! Allein schon groß, weil wieder das eigens für den Giro d’Italia 2022 designte Colnago TT1 dabei sein wird. Das Maschin für die gepflegte Einzelzeitfahrt…

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Und weil immer wieder schön: bittschön, das Maschin auf 4 Rädern von den 4 Burschen aus dem Österreichischen.

Pretty in Pink

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Ganz großes PR-Besteck, aber nix isses erst mal mit Gladiatoren und Colosseum… Das Maglia Rosa wird zunächst und erstmals in Osteuropa vergeben, denn der Giro startet mal wieder ohne d’Italia: Heute geht die dreiwöchige Runde los – in Budapest. Budapest? Reimt sich auf Orbán, reimt sich auf Gesetz „zur Beschränkung der Information über Homo- und Transsexualität“. Und reimt sich auf Giro-Veranstalter RCS Sport, denn was haben sportliche Großveranstaltungen schon mit Politik zu tun??? RCS Sport’s managing director Paolo Bellino sagte bei einem roundtable Interview: „I think us as RCS Sport, us as the Giro d’Italia, we guarantee to all of the people, in general, the possibility of having an incredible event and an incredible time with us. So I have no barrier, I think that our intention is to create an incredible event, with an Italian style of course, with all of the best riders in the world, competing and giving the opportunity of a great party.“ Nachfragen nicht erwünscht. Jahaha: Großes Thema, diesdas – aber von diesem ständigen Geschmäckle wird der Appetit nach Profi-Sport nicht größer und fällt der Blick durch die rosarote Brille immer schwerer.
Vor 100 Tagen ließen die 37 Etappenstädte wenigstens ihre Sehenswürdigkeiten vorfreudig in Pink erstrahlen, und immerhin ein Mann wird drei Tage lang für ein rosa Shirt nicht angefeindet, sondern befeiert werden. Wenn auch leider das Regenbogentrikot fehlen wird – Julian Alaphilippe erholt sich ja erst langsam nach seinem bösen Sturz (und bangt um den Tour-Start).
So jedenfalls sieht die Route vom 105. Giro d’Italia aus:

Die Route vom 105. Giro d’Italia 2022 bei at Fahrräder in Lübeck

Giro-Route aus dem Garibaldi (Quelle: https://www.giroditalia.it/en/garibaldi/)

Es wird wahnsinnig viel geklettert (über 51.000 Höhenmeter!!) und ziemlich knapp nur gezeitfahren, zeitgefahren und fahrgezeitigt: 26 Kilometer nämlich. Ohne Titelverteidiger Egan Bernal (auch er ringt noch mit den Folgen seines Sturzes) rechnen sich einige der bergaffineren Komplettfahrer Chancen aus.

Der allerallerechteste wallonische Pfeil

Die Ardennen-Woche läuft, am Sonntag steht mit Lüttich-Bastogne-Lüttich aka La Doyenne das älteste noch ausgetragene Eintagesrennen der Welt an, am Mittwoch schon zischte der Flèche Wallone durch den Radsportkalender und Glückwunsch an Marta Cavalli und Dylan Teuns – ABER Hélène Dutrieu schlägt sie alle, allermindestens des Spitznamens wegen!! Als flèche humaine, also „menschlicher Pfeil“, machte sie Anfang des letzten Jahrhunderts Furore (und auch verbucht von sich reden). Mit gerade mal 18 Jahren trat die waschechte Wallonin (1877 in Tournai geboren) zuvor bei Profi-Radrennen an, stellte 1895 erstmals einen Stundenweltrekord auf und gewann etliche Sprint-Wettbewerbe, u.a. die Weltmeisterschaften anno 1895, 1897 und 1898.

Im selben Jahr beendete sie ihre Rennradsportkarriere – aber blieb der Geschwindigkeit treu. Im Zirkus ihres Bruders Eugène (auch ein ehemaliger Radprofi) trat Hélène nun im Hippodrom von Tourcoing auf und reiste mit dem Cirque Dutrieu von Varieté zu Varieté. Dort zeigte sie als „Radsensationsartistin“, wie nah am Fliegen Radfahren sein kann…
Aus dem Fahrrad, mit dem sie sich 15 Meter durch die Luft gewirbelt hatte, wurde alsbald ein leichtes Motocyclette, das Moto Ailée (also „geflügeltes Motorrad“). Etliche Zirkusnummern, die den „Looping the loop“ auf dem Programm hatten, zogen ab 1903 durch die Lande. Aber unter all diesen zweirädrigen Flugfreaks war Hélène Dutrieu eine der populärsten, war es doch ohnehin unerhört, sich als Artistin, Sportlerin und Weltenbummlerin durchzuschlagen.

Sensation: Hélène, riding the flume! (Quelle: https://lesilesbooks674506832.files.wordpress.com/2021/02/ride-the-flume-a-1.jpg)

„In het begin had ik hartkloppingen voor ik de fiets op stapte, mijn handen trilden een beetje, het leek of iemand me de keel dichtsnoerde. Maar eens ik op de fiets zit is dat allemaal weg.”

„Zuerst hatte ich Herzrasen, bevor ich auf das Fahrrad stieg, meine Hände zitterten ein bisschen, es war, als würde mir jemand die Kehle zuhalten. Aber sobald ich auf dem Fahrrad sitze, ist alles weg.“

Als die Dutrieu von Körperschmerzen geplagt ihre Varietékunstsportkarriere beenden musste, ging es für den menschlichen Pfeil erst recht steil bergauf: Nach einem ersten (übrigens unangeleiteten) Flug konnte sie auch die prompt erlebte Bruchlandung nicht mehr von der neuen Passion abhalten. Sie widmete sich der Fliegerei, stellte auch dort etliche Premierenrekorde auf, durfte sich Chevalier de la Légion Honneur nennen, bekam den Spitznamen „Falkenmädchen“ und wurde nach den beiden Weltkriegen schließlich Vize-Vorsitzende der Frauensektion des Aéro-Club de France.

Hélène Dutrieu fliegt anno 1911 (Quelle: George Grantham Bain Collection)
(Quelle: George Grantham Bain Collection)

Resumée von Blog Cirk75: „Ohne sich jemals ihrer Heldentaten zu rühmen, die ihrer Meinung nach keine Heldentaten waren, sondern lediglich eine Neigung, ihren Impulsen zu folgen, starb sie am 26. Juni 1961 im Bett, nach einem ausgefüllten Leben voller Kühnheit und Heldentaten, von denen einige auf der Rennstrecke lagen.“ Magnifique!

Warm und trocken

Es war zwar soooo schön dramatisch letztes Jahr – aber dass an diesem Wochenende zwischen Paris und Roubaix eher Schleierwolken und ein paar Grad mehr herrschen werden: Ich find’s jut. Das Mitleid war ja sogar beim muggeligen Fernseh-Zugucken groß, und dieses Kopfsteinpflasterfeldweggedöns ist ja auch mit ohne Unwetter schwer und erschöpfend genug. Und immerhin gibt es nu auch beim Frauenrennen am Samstag (dem zweiten ever) satt angehobene Preisgelder. 2021er-Siegerin Lizzie Deignan (gerade schwanger und deshalb nicht dabei diesmal) durfte sich ja noch über – aufgepasst – 1.535 Euro „freuen“; die Siegerin wird 2022 immerhin 20.000 Euro einstreichen.
Es ist ein steiniger Weg, aber er geht los.

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Bei den Männern – wo Titelverteidiger Sonny Colbrelli fehlen wird, dem es nach dem Herz-Schock bei der Katalonien-Rundfahrt neulich immerhin besser geht! – geht es am Sonntag allerdings um etliche Penunzen mehr: 30.000 Euro gibt es für den Ersten, insgesamt sind 90.000 Euro Preisgelder aufgerufen.
Dafür wird die Werbetrommel aber auch reichlich emotional aufgeladen angeworfen: Drama, Baby!!!!

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Eine Runde Flandern, bitte!

Am Sonntag ist es soweit: Der Frühling ist endgültig da!! Also na ja, zumindest auf dem Radsportkalenderpapier… Zu erwarten sind maximal 8 Grad, wenn sich die Frauen und Männer auf ihren rennenden Maschinen morgen auf die Ronde van Vlaanderen begeben – aber klassischer geht es eben kaum. Van Aert raus wegen C, etliche andere angeschlagen oder auch nicht dabei, van der Poel und Pogacar sind die höchstgehandelten Überfavoriten über die 272,5 Kilometer. Um 10h geht es da los (Zieleinfahrt gegen 16.45h).
Bei den Frauen schauen alle auf die Italienerinnen – allen voran auf Weltmeisterin Elisa Balsamo, die in 2022 bisher alle (bis auf Chiara Consonni) und alles (bis auf Dwars door Vlaanderen) niedergefahren hat und sich anschickt, den Regenbogentrikotfluchschnack Lügen zu strafen. Start ist um 13.25h, das Ziel (jetzt auch inklusive Koppenberg und 10 weiterer Hügel, dazu mit 6 Kopftseinpflasterpassagen) liegt 158,6 Kilometer entfernt und wird round about 17.45h erreicht werden.
Und wir sind live dabei, ab 10.30 Uhr, viele Stunden lang. Bei Eurosport 1.
Als Vorgeschmack und Appetithappen gerne schon jetzt den mindestens interessanten Film darüber gucken, was Profi-Teams so tun: Behind The Scenes bei der Männer-Flandernrundfahrt 2020 (Werbung auf dem Helm bitte deutlich und entschlossen ignorieren). Und über diesen Link lässt sich prima in allen langen Videos von Flanders Classics stöbern.

Was Gary Fisher sagt

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Und allen, deren postmodernes Vokabular etwas eingerostet ist, hilft bedeutungonline.de: „Ein Moonshot ist ein ehrgeiziges, bahnbrechendes Projekt, bei dem ungewöhnlich innovative Ideen umgesetzt werden. Die Vorhaben sind visionär und lassen kurzfristig weder eine Rentabilität noch einen Nutzen erwarten. In den meisten Fällen lässt sich keine vollständige Untersuchung potenzieller Risiken erkennen.“ Freuen wir uns also auf langfristige Rentabilität und ewig währenden Nutzen!

Allein schon, wie sich das schon schön liest: Settimana Internazionale Coppi e Bartali!!

Coppi und Bartali 1940-1943 auf einem Bild eines laut wikimedia commons unbekannten Autors (Quelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Coppi_Bartali_1940.jpg)
Coppi und Bartali zwischen 1940 und 1943, von unbekannt abgelichtet (Quelle: Wikimedia Commons)

Fünf Tage mit dem Rad rennen im Zeichen von Fausto und Gino: Gestern war es für 2022 vorbei damit – und am Ende war nicht der stets zu Scherzen aufgelegte Paolo Bettini (hihi, das waren noch Zeiten!), sondern der ja ohnehin auch viel jüngere Ire Eddie Dunbar vorne. Und der sagte immerhin vor ein paar Jahren schon: „I won’t quit cycling till I’ve won the Tour de France.“ Na denn man denn!

Paolo Bettini 2006 beim Zeitfahren der Settimana Internazionale Coppi e Bartali - Autor Author Enrico Siboni at Italian Wikipedia
Signore Bettini 2006 beim Zeitfahren der Settimana – orangefarbene Streifen NICHT original übrigens (Autor: Enrico Siboni at Wikipedia – Quelle und Lizenz)

Forza Sonny!

Puuuuh. Sonny Colbrelli, Sieger der ikonischen 2021-Ausgabe von Paris-Roubaix und gerade erst von einer Bronchitis genesen, scheint stabil zu sein nach den Herzproblemen hinter der ersten Ziellinie bei der Katalonien-Rundfahrt. Durchhalten!!!

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La Primavera, auch in amateurhaft

Am Mittwoch gab’s mit Mailand-Turin das Warmfahren – und am Samstag ist es dann soweit: Von Mailands Velodrom geht die Primavera ab an die Blumen-Riviera nach Sanremo! Alaphilippe hat zwar Vertrag, aber Bronchitis, und statt stattdessen mit Cavendish den nigelnagelneuen Mailand-Turin-Sieger auf die 293 Kilometer zu schicken, wird das Team mit Jakobsen aufgefüllt. Profisport muss nicht logisch sein! Und ein Profisportler auch nicht, übrigens. Sonst hätte Peter Sagan sich im letzten Jahr wohl auch nicht „wie ein Verrückter“ gerieren müssen, als er und sein Bruder Juraj in Monaco in eine Polizeikontrolle gerieten und sich der angetrunkene Slowake aus Furcht, „zwangsgeimpft zu werden“, massiv gegen eine Fahrt zum Hospital wehrte. Äääähemmm. Inzwischen beteuert sein Manager, Sagan sei doppelt geimpft. Und inzwischen ist er außerdem doppelt genesen – und will am Samstag nach Gesundwerd-Pause wieder angreifen. Als einmaliger Zweiter und vierfacher Vierter seit 2011 beim ersten Monument jedes Jahres hat er ja auch ein klares Ziel vor Augen. Wir erinnern uns an 2017, als er mit dem dann Dritten Alaphilippe und dem späteren Sieger Kwiatkowski um den Sieg in Sanremo sprintete:

Primavera-Finish vor fünf Jahren (Bild: Claudio Martino bei Wikimedia Commons/Lizenz)

An der Via Roma einen Schlusssprint-Stehplatz zu ergattern, ist wohl eine Herausforderung. Auch an der Cipressa oder dem Poggio, wo sicher wieder die entscheidenden Sprints ausgefahren oder Attacken gestartet werden, könnte es eng werden. In Ospedaletti aber, am Tunnel Capo Nero, ist das Dabei-Sein sicher am gänsehautnahsten!

Tunnel als Denkmal (Bild: Patafisik bei Wikimedia Commons/Lizenz)

Hier huldigen im Nineties-Style beleuchtete Tafeln nicht nur legendären Fahrern, sondern La Classicissima selbst als Monumentalmonument seit 1907. Und hier fahren an den anderen 364 Tagen im Jahr auch ganz andere Leute durch: Solche, die von der Pista ciclabile del Ponente ligure wissen, der ehemaligen Bahnstrecke, die über immerhin 24 Kilometer zu einem Radweg der reinen Freude ausgebaut wurde – durch Tunnel oder bergiges Terrain zweispurig meist direkt an der aussichtsspektakelreichen Küste entlang. Amateurhaft also im allerbesten Liebhaben-Urwortsinne!

Pista ciclabile del Ponente ligure (Quelle: https://www.pistaciclabile.com/de/karte/)

Und im Hinterland haben denn auch Mountainbike-Bekennende viel zu kurbeln und lachen: Da lagern majestätische Täler und grüüüüne Hügel, die sich zu gewaltigen Bergen auswachsen und klarmachen, warum Ligurien-Fans so von Mare e Monti schwärmen. Wenigstens die Fernsehbilder werden uns ab Samstagmorgen dahin entführen: Wetter soll sonnen, alles ist wohlbereitet. Fahrrad!! Fahren!!

Monti… (© N. Kossel)
…e Mare (© N. Kossel)
Anschrift

at Fahrräder
Beckergrube 63
23552 Lübeck

Tel. : 04 51 – 798 22 68

Öffnungszeiten

Beratung, Reparatur, Verkauf:

Mo. + Mi. – Fr. 10.00 – 14.00 und 14.30 – 19.00 Uhr

Di. 10.00 – 14.00 Uhr (nachmittags geschlossen)

Samstag 10.00 – 14.00 Uhr

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