Geschlossen wir öffnen morgen wieder um 10 Uhr

Kategorie: Rennrad

Galicia in vier Tagen…

Sie mausert sich, die Vuelta der Frauen: 2015 als Eintagesrundrennen gestartet, gab es nun nach drei Jahren mit zwei Etappen die Aufstockung auf immerhin 4 Renntage. Ab heute geht’s parallel zur Männer-Vuelta quer durchs erst südliche, dann nördliche Galicien – gestartet wird jeweils morgens, mit Ankunft am frühen Nachmittag. Dadurch erhoffen sich nicht nur die Fahrerinnen selbst ein bisschen mehr Aufmerksamkeit als gewöhnlich, denn so besteht die Möglichkeit, ein paar Live-Bilder in die Welt zu schicken, bevor alle Kameras wieder auf die jeweilige Männer-Etappe blicken.
Bei Eurosport gibt’s ab morgen immer mal eine Stunde gegen Mittag.

Die Streckenkreationen sind naturgemäß viel abwechslungsreicher als in früheren Jahren:

  • 1. Etappe am 2.9.21:
    118,7 bergige Kilometer mit 14,5km-Anstieg über rund 800 Höhenmeter
    —> Cabeza de Manzaneda Ski Resort – A Rúa
  • 2. Etappe am 3.9.21:
    7,3 Kilometer Bergzeitfahren in Cabeza de Manzaneda Ski Resort
  • 3. Etappe am 4.9.21:
    107,9 Kilometer als stetes Auf und Ab
    —> Cabeza de Manzaneda Ski Resort – Pereiro de Aguiar
  • 4. Etappe am 5.9.21:
    17,4 halbbergige Kilometer
    —> As Pontes – Santiago de Compostela

Lisa Brennauer gewann die letzten beiden Ausgaben der „Ceratizit Challenge by La Vuelta“, wie’s nun offiziell heißt, und hätte vermutlich nix gegen das dritte Mal in Folge. Das aber wird sehrsehr schwer – zu bergelastig das Terrain, und wohl auch zu groß ist die Konkurrenz, die sich diese anspruchsvolle Schleife na klar nicht nehmen lässt als Vorbereitung für die Weltmeisterschaften in knapp zwei Wochen. Vielleicht hilft ja das Tokio-Bahn-Gold als Beschleunigung???

Die Kathedrale von Santiago de Compostela von unten gesehen, zwei Barocktürme vor tiefblauem Himmel
Santiagooooo! (Bild: D.Rovchak bei wikimediacommons; License)

Am Sonntag ist dann für alle Vueltistas Schluss im malerischen Santiago de Compostela – schon mittags wird die Siegerin feststehen, das Zeitfahren der Männer wird nachmittags den Gesamtsieger ermitteln. Sollte Brennauer das Ding klarmachen und Roglic nachziehen, gäbe es 2021 also ein doppeltes Triple. Aber trotz Tippglücks mit Fabiooo Jakobsen am Dienstag: Sooo weit lehne ich mich jetzt mal nicht aus dem Fenster…

Fabioooooo!

Vor fast genau einem Jahr noch nach dem Groenewegen-Abdränger bei der Polen-Rundfahrt ins künstliche Koma versetzt und seitdem erst gesund und dann immer stärker geworden: Heute wird das „mentale Kraftwunder“ Fabio Jakobsen 25 Jahre alt – und eine Sprintetappe bei der Vuelta steht an. Zwei davon hat er ja schon gewonnen… Klingt nach einem perfekten Setting!!
Gefeliciteerd zum ersten schon jetzt, mal sehen, was in Santillana de Mar nachher auf der Anzeigentafel steht…

Morgen und übermorgen stehen dann zwei echte Bretter an: Es geht durch die Picos de Europa und damit durch eines der wunderschönsten, aber auch bergziegig anspruchsvollsten Gebiete des Kontinents.
Mal sehen, ob Moviestar auch ohne Don Valverde (beste Besserung!), aber eben mit Miguel Ángel Superman López und Enric Langzeit-Hoffnung Mas weiter so erfolgreich den wiedererstarkten Primoz Roglic ärgern kann.

Auf die Bahn

Einmal Sechstagerennen in Bremen, forever büschen in Love mit der Bahn, auch wenn uns romantischen Naivlingen erst im Nachhinein klargemacht wurde, wie schief die eigentlich ist, weil da wenig unabgesprochen gewonnen und verloren wird. Ähem…
Aber Lübeck feierte als Geburtsort ja gerade mit, als neben Emma Hinze eben auch die heutige Dassowerin Lea-Sophie Friedrich über Tokio-Silber im Team-Sprint jubeln durfte – auch wenn nur mit 85 Tausendstelsekunden so unvorstellbar wenig fehlte, um sich in Gold zu medaillieren…

Das holte dann der Frauen-Bahnrad-Vierer nach, in dem mit Lisa Brennauer ja eine Auchstraßenradsportlerin mitfährt. Weltrekord aufgestellt, an die Britinnen verloren – und dann im Finale nochmal satt unterboten.
Für Hinze und Friedrich geht es eh noch weiter: im Keirin, im Einzel. Mittwochmorgen Vorläufe, am Donnerstag dann die Finals. Keirin meint einfach „Radrennen“ und ist Japanisch. Verdeutscht wird da oft vom „Kampf-Sprint“ geschrieben. Kann also was werden!
Dazu allerdings noch ein kleiner „Fun“-Fact als Zitat von Wikipedia, um mal den ganz großen, wenn auch krummen Bogen von Bremen in die große, weite und olympische Welt zu schlagen: „Recherchen, über die die BBC 2008 berichtete, legen nahe, dass die Japanische Keirin Stiftung (JKA) der Union Cycliste Internationale (UCI) in den 1990er Jahren drei Millionen Dollar für die Aufnahme von Keirin in das olympische Programm zahlte.“ (Quelle)
Wir drücken also mal wieder alle Augen doppelt zu, was Profi-Sport im Allgemeinen und dessen Funktionär:innen im Speziellen angeht – und schalten dann doch den Fernseher ein. Also: vielleicht.
Und wenn nicht: Hier gibt es ein paar feine, alte Keirin-Bilder mit ohne (bekannter) Bestechung, u.a. vom letzten professionellen Keirin-Frauenrennen Japans anno 1964; erst 2012 kam es zu einer Wiederauflage, parallel zum 1. olympischen Auftritt in London, ein Dutzend Jahre nach der Männer-Premiere. Übrigens.

Refugees welcome

Der vielbeschworene olympische Gedanke (übrigens: Felicidades, Richard Carapaz! Und morgen früüüüüh ab 6 Uhr folgt das Straßenrennen der Frauen!) ist rund um allgegenwärtige Kommerzialisierung und allerlei IOC-Misslichkeiten längst ein eher mies beleumdeter geworden, in Zeiten der Geisterspiele von Tokio umso mehr. Aber: Es startet immerhin nach der Rio-Premiere nun schon zum zweiten Mal ein Refugee Olympic Team, und mit etwas bitter nötigem Optimismus lässt sich dieses ja auch als Lorbeerkranz statt als Feigenblatt begreifen!
Insgesamt 29 Athlet:innen sind dabei – auf dem Rennrad sind das Masomah Ali Zada aus Afghanistan (im NOK Frankreich) und Ahmad Badreddin Wais aus Syrien (im NOK Schweiz). Beide starten beim Einzel-Zeitfahren am Mittwoch (28. Juli). Beginn der Frauen-Konkurrenz zur mitteleuropäischen Wolfsstunde: um 4:30 Uhr. Die Männer lassen sich dann mit dem ersten Frühstückskaffee beobachten, ab 7 Uhr.

Großes Tourtamtam und leise Zweifel

Tjaaaaa und hmmmmm: Soll man Tadej Pogacar nun feiern und ihn als „Dominator“ anerkennen? Oder sich angesichts seiner eher unheimlichen One-Man-Show auf allen Terrains eher Sorgen machen, aufs falsche, geradezu trojanische Pferd zu setzen? Welche Ergebnisse bringt die Razzia beim Team „Bahrain Victorious“, deren Fahrer Matej Mohoric bei seinem Etappensieg der ganzen Welt so selbstbewusst den Schweigefuchs zeigte? Und werden die Gerüchte über „surrende Störgeräusche“ bei immerhin 4 Teams tatsächlich dazu führen, dass eine neue Form des Technik-Dopings publik wird? Der heutige Dopingjäger und frühere „Festina“-Betreuer Antoine Vayer zweifelt an der Pogacar-Dominaz und stellt ansonsten ganz nüchtern fest, dass „90 Prozent“ des Pelotons wohl sauber unterwegs seien. Reicht das? Oder: Was wäre wohl beim Kannibalen Eddy Merckx ans Licht gekommen, unter Ausnutzung heutiger Probenauswertung??? Schon schwer, den Rennrad-Größen zu glauben, ob alt oder neu, und so dürstend wir doch alle nach Held:innen sind und so heroisch das auch immer aussieht – und so spannend und landschaftlich atemberaubend schön und halt tour-de-francig famos sie eben auch 2021 wieder war, diese Frankreichrundfahrt…

She did it again

Anna van der Breggen: Großes Rennen, großer Glückwunsch! Wie er insgesamt so war, der Giro d’Italia Donne, und was wir daraus lernen, nicht zuletzt fürs nächste Jahr und den wackelnden UCI Gold-Standard: die letzte Etappe.

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Andiamo!

Morgen startet der Giro d’Italia Donne – 10 Tage lang geht es durch die norditalienische Botanik, beginnend mit einem 26,7km-Teamzeitfahren in Fossano. Hier gibt es das komplette Roadbook; es heißt Anita und ist analog zum Garibaldi beim Männer-Giro benannt, der dem Gedenken an Giuseppe Garibaldi gewidmet ist, der in Italien als Freiheitskämpfer verehrt und Einer der Nation gefeiert wird. Ana Maria „Anita“ war seine Frau, aber nicht nur das: Sie kämpfte als gebürtige Brasilianerin bei der Farrapen-Revolution, lernte dort 1839 Giuseppe kennen, ging mit ihm nach Italien und revolutionierte erfolgreich weiter, bis sie 1849 auf der Flucht starb, an Malaria. Seitdem ist sie als Heroine zweier Welten ähnlich populär wie ihr Mann.
Aber zurück zum Sport: Weil Journalistin und Ex-Rennradcrack Kirsten Frattini alles viel besser weiß als ich, kommt hier ein Link zu ihrer Vorschau.

Kirsten weiß auch, dass der „Wir übertragen den Giro der Frauen, damit wir in 2022 wieder zur UCI Women’s World Tour gehören“-Deal nach hinten raus ein eher kläglicher geworden ist… Schlappe 60 Minuten der Etappen-Finalstücke werden live gezeigt. Hört sich ja fast noch okay an, wüsste man nicht, dass in dieser Spanne auch Interviews mit den Siegerinnen enthalten sein müssen. Pffff. Reicht dann für die letzten 15 Kilometer. Oder so.
Bereitgestellt werden die Live-Bilder vom Sponsor, u.a. auf dessen Website und auf Youtube, auch die offizielle Website Giro d’Italia Donne wird wohl Bilder zeigen. Start jeweils zwischen 14.15h und 15.15h, abhängig von der jeweiligen Etappenplanung.
Freuen wir uns also etwas grummeligen Herzens auf das Spektakel, das es wohl werden wird – am allerliebsten mit ohne Sturz-Unglück (das gerade die Männer-Tour begleitet), das ja ausschlaggebend für Eigentlich-Favoritin Annemiek Van Vleuten für ihre Giro-Absage war. Schon Anfang Juni hatte sie angekündigt, sich ohne das renntypische Sturz-Risiko auf die Olympischen Spiele in Tokio vorbereiten zu wollen. 2020 hatte sie nämlich als souveräne Rosa-Trägerin zwei Tage vor Schluss mit einem gebrochenen Handgelenk aufgeben müssen. Weshalb erst Anna van der Breggen triumphieren konnte.

Tada: die Tour!

Morgen geht es los: Die Große Schleife startet in der Bretagne – kamman neidisch werden, ist nämlich ein ganz besonders wunderbar schöner Fall von Gegend.

Die Strecke sieht einen Ausflug nach Andorra vor und macht mal wieder Halt in Saint-Gaudens: Heimstatt einst von „Sunn“, einer unserer Allerlieblingsfahrradmacher aus alten Tagen. Dabei sind diese 184 Rennfahrer aus 23 Teams.

Und wer nu gar nicht mehr warten kann, möge sich schon mal an der gestrigen Teampräsentation ergötzen: mit BMX-HipHop-Show, viel Trara, Geigen und Quetschkommoden – und jetzt neu sogar auch echten Sportlern!!!

Mavi, das war maravilloso!!

Mavi García räumte bei den spanischen Meisterschaften gleich drei Titel ab: Zeitfahren check, 24 Stunden später auch auf der Straße gewonnen – und dabei drittens so viel Fairplay gezeigt, dass man sich die Augen reiben musste. Erst echtjetzt?!, dann schluchz!!! Als nämlich die letztlich einzig noch verbliebene Rivalin Ane Santesteban in einer Kurve stürzte, wartete García, bis es für die Baskin weitergehen konnte. Ganz, ganz stark – und hier nochmal nachguckbar.
In einem beherzten Sprint setzte sich später bei den Männern Omar Fraile durch; der ist mit seinen 30 Lenzen immerhin sieben Jahre jünger als García und darf sich nach einer soliden Vergangenheit als Eher-Helfer nun zum ersten Mal Spanischer Straßenmeister nennen. Bueno.