Heute noch einmal und aber richtig in die Berge, auf einer fulminanten Etappe über den Passo San Bernardino und alles. 4000 Höhenmeter auf knapp 165 Kilometern… Rosa-Mann Egan Bernal kann sich zurück- und die Handvoll Konkurrenten im Auge behalten – schließlich rechnet er selbst damit, dass zweieinhalb Minuten Vorsprung im abschließenden Zeitfahren selbst von ihm nicht mehr verpulvert werden können. Hm. Mal sehen, was Simon Yates (+2’29 Minuten) und Damiano Caruso (+2’49) für heute planen. Oder João Almeida. Oderoderoder. Spannend!!!!
Sankt Bernhard. Oben drauf. Hui! (Foto: Adrian Michael auf Wikimedia Commons -> License)
Morgen dann also wird nach genau 3.410,9 Kilometern alles vorbei sein: Drei wirklich dramatische Wochen Giro mit unerwartet viel Regen, Kälte, Ausreißer-Spektakel und allerlei folgenreichen Massenstürzen. In Mailand geht es über rund 30 laaaaange Kilometer (und im TV von 15-18 Uhr) gegen die Uhr. Und für Bernal darum, nicht am letzten Wochenende alles zu verspielen.
Heute gilt es wohl beim Giro: Wer sich Hoffnungen auf das Gesamtklassement erhalten möchte, sollte die insgesamt 205 Kilometer auf der 14. Etappe von Cittadella (48 Meter über dem Meeresspiegel) auf den 1.730-Meter-Gipfel des Monte Zoncolan nicht nur irgendwie durchstehen (im Gegensatz zu Rempel-Rowdy Groenewegen, der als Sprinter pünktlich gestern abend seine Giro-Abreise bekanntgab), sondern vor allem auf dem letzten Teilstück so schnell und verbissen wie vermutlich mindestens Egan Bernal da rauf. Zwar geht es bis zum Final-Anstieg größtenteils flach gen Nordosten, aber so viel Vorsprung kann wohl kein Ausreißer der Welt rausholen, dass es reichen könnte: Die letzten langen 14,1 Kilometer weisen eine Durchschnittssteigung von 8,1% auf. Ähem. Und auf den letzten 3.000 Metern werden einige Passagen mit mehr als 20% serviert – im Durchschnitt sind es da nahezu 15%. Das wird schon vom Sofa aus mordsmäßig anstrengend genug…
In der Giro-Historie unter „leichterer Anstieg von Osten her“ abgelegt und dennoch mit Quäl-dich-du-Sau-Potenzial: die letzten 14,1 Kilometer rauf auf den Monte Zoncolan (Grafik von Vomer bei Wikimedia Commons -> License)
Pandemie dies das, es ist Mai. Also: Giro-Time. Kann losgehen, schon zum 104. Mal diesmal!
Isso! Ecco! (Bild: N. Kossel)
Rick Zabel muss zwar stattdessen die Andalusien-Rundfahrt mitstrampeln, das Starterfeld ist ansonsten aber reichlich illuster (komplette Liste hier zu finden), und Tour-Verzichter Buchmann will aufs Podium.
Vorher aber erwarten ihn und die 183 anderen folgende 21 Etappen:
Turin – Turin
Stupinigi – Novara
Biella – Canale
Piacenza – Sestola
Modena – Cattolica
Grotte di Frasassi – San Giacomo
Notaresco – Termoli
Foggia – Guardia Sanframondi
Castel di Sangro – Campo Felice
L’Aquila – Foligno
Perugia – Montalcino
Siena – Bagno di Romagna
Ravenna – Verona
Cittadella – Monte Zoncolan
Grado – Gorizia
Sacile – Cortina d’Ampezzo
Canazei – Sega di Ala
Rovereto – Stradella
Abbiategrasso – Alpe di Mera
Verbania – Alpe Motta
Senago – Mailand
Und so wird sich die rosa Schlange als Blase ab heute und bis zum 30. Mai als Amore Ifinito der Männer quer durch den (eher oberen) Stiefel winden. Mit unfassbar vielen Bergen und einer unverantwortlich schweren höchst anspruchsvollen letzten Rennwoche.
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Alle Kletterer jubilieren, aber auch sie müssen eben alle 3.479,9 Kilometer überstehen, die neben 6 Bergetappen auch 6 flache Teilstücke, 7 hügeligere Strecken und 2 Zeitfahren umfassen. Mit einem solchen geht es gleich los: 8,9 Kilometer in und durch Turin. Zur Planung des Samstages: Il primo corridore a partire nella crono di domani sarà Filippo Tagliani (Androni Giocattoli – Sidermec) alle ore 14:00. L’ultimo, Dries De Bondt (Alpecin-Fenix), partirà alle 17:03. Weiße Bescheid?!
Alle Etappen des Giro d’Italia werden von Eurosport in voller Länge übertragen. Die Startzeit ist zwar abhängig von den jeweiligen Tagesplanungen, meist aber geht es zwischen 12:00 Uhr und 13:00 Uhr los. Co-kommentieren werden die verrentete Bergziege Rolf Aldag und der Ausreiß-Titan i.R. Jens Voigt.
Apropos Übertragung: Weil beim Giro Rosa 2020 nicht genügend Live-Bilder von den Veranstaltern zur Verfügung gestellt wurden, flog der Frauen-Giro aus der Women’s WorldTour und wird diesmal in der 2. Kategorie ausgetragen. Pfffff. Aber: Alles soll besser werden, und das Starterinnenfeld verspricht Spannung und Weltklasse. Vom 2. bis 11. Juli 2021 findet die Schleife unter ihrem neuen Namen statt:
Auf zehn Etappen wird wohl die komplette Fahrerinnen-Elite um das Maglia Rosa kämpfen; alle 9 Women’s WorldTeams sind am Start und hoffen auf eine ähnlich professionelle Organisation der Rennleitung auf – zum Beispiel – brauchbareren Straßen. Live-Bilder wird es vermutlich dennoch nur im Pay-TV geben – hoffen wir auf 2022…
Ein gutes Ende nahm immerhin die Geschichte eines gewissen zerschmatterschmetterten Handgelenks. Deshalb als Abschluss die erlösenden Worte, die der Miezekatzenmittwochskatzenhai von Messina vor fünf Tagen sprach: Schöne Reha, so mit fast 50.000 Höhenkilometren in 3 Wochen (; Hau rein!!
Am Mittwoch der nächste Eintagesknaller: La Flèche Wallonne steht an – und gestern schon gab’s einen prominenten Geburtstag: den 31. von Anna van der Breggen, der „Queen of Huy“ seit 2015. Glückwuuuunsch! Nachträglich!!! Und gespannte Vorfreude auf die 24. Frauen bzw. 85. Männer-Ausgabe vom Waalse Pijl. Ob es van der Breggen tatsächlich gelingt, ihren 7. Triumph in Serie zu feiern? Wie schlagen sich die Männer in dieser schweren ardennischen Woche? Greift womöglich der 5fache Sieger Alejandro Valverde, der am 25.4. stolze 41 wird, in seiner letzten Saison nochmal entscheidend an und ein? Und: Wie wird das sein mit ohne Publikum beim Showdown an der Mauer von Huy??? Hier ein schon fast nostalgisches Bild vom Flèche-Start anno 2019, unter normalen radsportbelgischen Prä-Corona-Bedingungen:
Gaaaanz links außen: Fast-noch-Geburtstagskind Anna van der Breggen, seit 2015 ungeschlagene „Queen of Huy“ (Bild: Hoebele bei Wikimedia Commons -> License)
Während das traditionelle Doping früherer Pedaleure eher auf Wein und Höherprozentiges ausgelegt war, spielt Bier in semiprofessionelleren Kreisen seine mindestens begleitende Rolle. Und seit 1966 steht einer der Frühjahrsklassiker ja auch ganz im Zeichen eines niederländischen Blonden. Im letzten Jahr fiel das „Amstel Gold Race“ coronabedingt aus – am Sonntag findet die 2021er-Version statt, wenn auch als nahezu publikumsloses Ereignis. Dafür atmen die weniger Kopfsteinpflaster-Affinen aus: Es darf endlich wieder geklettert werden! Die Anstiege sind zwar eher kurz, aber dafür reichlich eingebaut. 2019 sah das vorm Frauen-Rennen dann streckenbeschreibend so aus:
Und auch am Sonntag werden die miesenfiesen Miniberge alles versuchen, um die Fahrerinnen (starten morgens als erste, Finish wohl so gegen kurz vor Middach) und Fahrer (geht los um 12.05h, Ende gegen 17.30h) zu zermürben. Und wenn schon kaum Leute am Rand stehen werden, dürfen wenigstens die Straßen sprechen und anfeuern – wie hier 2019 die gesprühte Ermutigung für Katarzyna Niewiadoma am Bemelerberg. Und die hat ja auch geholfen, denn Kasia gewann. Mal sehen, was Sonntag für sie drin ist!
Bei den Männern fehlt mit Mathieu van der Poel nicht nur der Enkel von Raymond Poupou Poulidor als lokaler Liebling, sondern auch der letzte Sieger. 2019 hatte er in einem wahren Kraftakt die beiden ausgerissenen Alaphilippe und Fuglsang nicht nur eingeholt, sondern auch sprintend abgehängt. Die beiden, die es bei LaFlèche Wallonne drei Tage später viel besser machten und den Sieg Kopf an Kopf unter sich ausfuhren (mit dem besseren Ende für Loulou)…
…hatten sich beim „Gold Race“ verpokert und kurz vorm Ziel die Zusammenarbeit eingestellt. Fuglsang wurde wenigstens noch Dritter, aber für Loulou reichte es genau nicht fürs Podium. Am Sonntag aber! Legen! Sie! Sicher! Los!
…und den Landsmann und impressionanten Solo-Ausreißer Dylan Van Baarle – übrigens als einer der wenigsten mit ohne Scheibenbremsen auf den flachen Flandernstraßen und Kopfsteinpflasterabschnitten unterwegs!
Mal sehen, was die Beiden am Sonntag bei der jeweiligen „Ronde van Vlaanderen“ 2021 reißen können: Ab 9.55h gibt es bei Eurosport sieben Stunden Live-Bilder von van Baarle, Titelverteidiger Mathieu van der Poel & Co; ab 16.45h werden dann van Vleuten, 2020-Siegerin Chantal van den Broek-Blaak & ihre Kolleginnen zwei Stunden lang von Kameras begleitet. Wettertechnisch sieht es ja ganz gut aus… Im Gegensatz zur Ausgabe von 1952, als der im letzten Jahr 93-jährig verstorbene Roger Decock im Schietwetter als Erster jubeln durfte. Der war nämlich ein empathischer Mensch: Nicht nur eröffnete er als Belgier nach der Karriere standesgemäß ein Café mit seiner Frau („De Wildeman“) – er war auch bei der Tour de France vor genau 70 Jahren der einzige Fahrer, der dem in eine 70 Meter tiefe Schlucht gefallenen Gesamtklassement-Führenden zur Hilfe kam. Da lag mit Wim van Est nämlich „bloß wie eine Butterblume“ (so Teamkollege Gerard Peters) der erste Niederländer jemals in Gelb im Gras… Erst durch ein improvisiertes Seil aus immerhin 40 zusammengeknoteten Schläuchen gelang es dem Hilfs-Team aus Fahrern und Schaulustigen, van Est aus seiner misslichen Lage zu befreien. Sein Rad war hinübergeschrottet und ist heute im Nationaal Fietsmuseum „Velorama“ in Nijmwegen zu besichtigen, er aber fühlte sich so fidel, dass er weiterfahren wollte. Das aber ging nun wirklich nicht! Letztlich zog sogar das ganze Team zurück. Decock allerdings fuhr die Etappe nach 25 verlorenen, aber heroischen Minuten zuende. Und wurde am Ende immerhin Siebzehnter. Und im Jahr darauf eben der Triumphator im Flandernland, das sich an jenem 6. April 1952 besonders gebeutelt präsentierte: mit Hagel, Sturm, Regen und Schnee. Und um das Ganze abzurunden: Wim van Est, der sich an diesem Tag noch mit dem vierten Platz und 15 Sekunden Rückstand zufriedengeben musste, tat es Decock 1953 nach und gewann (zum einzigen Mal) den Titel des Flandernrundfahrt-Champions.
Bei einer der verhageltsten Flandernrundfahrten ever fährt Wetter- und Fahrradgott Roger Decock am 6.4.1952 nach sieben Stunden und 27 Minuten als Erster über die Linie in Weiß – ab unter die heiße Dusche!!! (Dank an LC NPDC – Lizenz – für das Bild und an Memed_Nurrohmad auf Pixabay für die Gewitterwolke)
Ab Donnerstag ist der Supertuck UCI-offiziell verboten. Weil er nämlich in echt gefährlich ist. Und es gibt einen Trost: Wie eine Studie unter Federführung der Eindhoven University of Technology und der Leuven University schon 2017 ermittelte, ist die durch den Sieg von „Don’t-Try-This-at-Home“-Froome bei der 8. Tour-Etappe anno 2016 zu bescheidener Berühmtheit gelangte Abfahrts-Position irgendwo zwischen Lenker, Rahmen und Vorderrad in echt mitnichten die schnellste Art, sich einen Berg hinunterzuwerfen. Pantanis Körperbrett mit Boppes hinterm Sattel schnitt einige Prozente besser ab!
Ehrlich gesagt habe ich die Studie nicht gänzlich gelesen und verstanden – es reichte mir die Erkenntnis, dass Pantani irgendwie schlauer war als Froome… Hier die 4 Kern-Erkenntnisse: 1. Froome did not win because his descent position was aerodynamically superior. 2. „Top tube safe” position is faster and safer. 3. Even considering pedaling, position “Froome” is not superior. 4. Do not take risks for no gain Und außerdem ist das die perfekte Gelegenheit, um sich etliche Minuten lang bei der berauschenden (und ungleich schneller als die mitlaufenden km/h-Angaben wirkenden) Abfahrt des „Kings of Supertuck“ in sonnigere, steilere, weiter entfernte Fahrradgegenden zu träumen:
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Morgen läuft sie, La Classicissima – und war vor 55 Jahren erstmals eine Sache für den baldigen Kannibalen, der da als frischgebackener Twen noch so unschuldig aussieht und den später doch alle fürchten werden. Allein Milano-Sanremo gewann Eddy sieben Mal. In zehn Jahren.
Wie der Herr Merckx sich an 1966 erinnert, verriet er vor 5 Jahren „La Stampa“ in einem Interview: „Avevo 20 anni e nessuno mi conosceva. Attaccai sul Poggio e mi risposero Van Springel, Dancelli e Durante, tutti e tre più velocisti di me. Ma dopo 300 km conta chi ha più fondo. Feci una volata sulla sinistra della strada e subito lo speaker annunciò la vittoria di Durante, che era dall’altra parte della via Roma. Poi il fotofinish fece giustizia.“ Und für alle, denen wie mir das Italienische doch etwas einrostete in letzter Zeit, habe ich hier auch die Ergebnisse einer krakenähnlichen hilfreichen Übersetzungs-Seite, die mir – wenn auch teilweise eigenwillig – auf die Sprünge half: „Ich war 20 und niemand kannte mich. Ich griff den Poggio an und Van Springel, Dancelli und Durante, alle drei Sprinter mehr als ich, antworteten. Aber nach 300 km zählt, wer mehr Tiefe hat. Ich flog links von der Straße und sofort verkündete der Ansager den Sieg von Durante, der sich auf der anderen Seite der Via Roma befand. Dann wurde das Fotofinish gerecht“. Mal sehen, wie viel giustizia und fondo morgen drinsteckt – die Spannung steigt jedenfalls stündlich. Und, liebe Übersetzungsmaschine: Poggio ist kein Radrennfahrer, den es anzugreifen gilt! Es ist eine ganz gemeine Anhöhe, über die sie alle müssen, ob die Beine noch schnell sind oder nicht. Und wenn die und ihre Schwester Cipressa geschafft sind, ist das gelobte Ziel nu echt nicht mehr weit!
Auch in 2021 ist Paris–Nizza der erste (Männer-)Etappenklassiker des Jahres und will heute seinen Ruf als Sonnenrunde verteidigen. Ebenso wie Maximilian Schachmann seinen Titel aus 2020. Damals meinte er: „Es war sehr, sehr hart, ein sehr schweres Finale. Ich bin durch die Hölle gegangen.“ Mal sehen, ob er heuer als fahrender Gejagter besteht, denn etliche Schwerkaliber wie Rogliz, Hart oder Porte sind halt auch am Start im Département Yvelines.
Noch schläft Saint-Cyr-L’École zwar – aber heute (und ab 15:10h live bei Eurosport) geht es von hier aus los gen Süden, auf 8 anspruchsvollen Etappen. Und in wenigen Tagen dann mittenmang in die Berge, mit all den grandiosen Aussichten auf das Mittelmeer. Seufz.
Endlich: Morgen erwartet uns der Auftakt zur Women’s WorldTour 2021! Die Strade Bianche dann live und for free bei Eurosport ab 12:30 Uhr, trotz Code Red drumrum. Doppel-Titelverteidigerin Annemiek van Vleuten nimmt’s locker…
…dabei geht es ja allein schon des Namens wegen ordentlich weißschotterig zu bei dieser Eintageskonkurrenz. Auch in der 7. Frauen- und 15. Männer-Ausgabe erwarten uns wieder ein paar Staubwolken über der sonst so lieblich-klaren Toskana. Neben van Vleuten steht der aktuelle Cyclocross-Vizeweltmeister Wout van Aert bereit, um seinen 2020er-Gewinn bei den Männern zu wiederholen – auch das bei Eurosport, im Anschluss ab 13:50h.