Gustaf Håkansson war zwar kein Eisenmann, aber ein „Stahl-Opa“. Und er kannte schon vor 70 Jahren den Weg zum Flow: „Ich halte mein Blut durch ständige Körperbewegung in einem gleichmäßigen und schnellen Kreislauf“ – klingt so einfach wie frappant. Im Spiegel erzählt.
Mavi García räumte bei den spanischen Meisterschaften gleich drei Titel ab: Zeitfahren check, 24 Stunden später auch auf der Straße gewonnen – und dabei drittens so viel Fairplay gezeigt, dass man sich die Augen reiben musste. Erst echtjetzt?!, dann schluchz!!! Als nämlich die letztlich einzig noch verbliebene Rivalin Ane Santesteban in einer Kurve stürzte, wartete García, bis es für die Baskin weitergehen konnte. Ganz, ganz stark – und hier nochmal nachguckbar. In einem beherzten Sprint setzte sich später bei den Männern Omar Fraile durch; der ist mit seinen 30 Lenzen immerhin sieben Jahre jünger als García und darf sich nach einer soliden Vergangenheit als Eher-Helfer nun zum ersten Mal Spanischer Straßenmeister nennen. Bueno.
Sensation: die Tour de France jetzt auch (wieder) für F.r.a.u.e.n – crazy shit. Und nur noch ein Jahr hin! Dann werden es ja auch nur zwölf Jahre ohne La Tour de France Femmes gewesen sein… Nun ja, wat soll et – ich zitiere: Einfach mal glücklich sein.
Egan Bernal wollte doch einfach nur nach Hause und da seinen Giro-Triumph feiern – und dann kam der obligatorische Flughafen-Test… Mistekiste! Gute Besserung!!! Auch an Freundin María Fernanda Gutiérrez, die ihn so UCI-illegal wie herzallerliebst knutschte nach Rennende.
Inzwischen fangen ja nicht nur Hasardeure an, sich langsam an realistische Planungen für Ausflüge oder sogar längere Touren per Rad zu machen – endlich!! In den Tagen vor und an Pfingsten selbst aber hieß es ja noch: Wenn überhaupt über Nacht irgendwohin, dann in eine der raren Modellregionen. Zum Glück gehörte Nordfriesland dazu, und zum Glück ergatterten wir einen Campingplatzplatz in Friedrichstadt, und zum Glück nahmen wir nicht nur ein Wohnmobil, sondern auch unsere Räder mit!!!
Rapshonig-Imkerei in echt am walachaiigen Wegesrand, Radwege am Deich und direkt an der Eider, all diese Tiere, Flüsse und das Meer: We love Modellregion Nordfriesland! (alle Bilder: N. Kossel)
Rund um Friedrichstadt gibt es: Schafe, Rinder, Windmühlen, Treene, Sorge, Eider. Sogar mit Stauwerk! Und die Nordsee dichte bi! Und Brücken, Panzerplatten, Lachmöwenkolonien, Felder. In Friedrichstadt selbst dann die erste Sensation: Der Besuch einer gastronomischen Außen-Einrichtung!! Nach sieben langen Monaten mal wieder irgendwo hinsetzen, Pizza bestellen und essen, ein großes Fass-Jever trinken. War jetzt nicht das italienische Pendant von Roy Petermann, aber eine echte Ristorante-Restauration. Und ja, wir mussten uns alle zwei, später drei Tage testen lassen. Aber diese Erlebnisse im Haus der dänischen Minderheit waren so gut organisiert wie kicherig aufregend. Und nochmal ja, wir mussten uns überall dank Smudos verpflichtender Luca-App den Angriffen feindlich gesinnter Hacker aussetzen – aber dafür durften wir sitzen, in aller Öffentlichkeit. Ob nu auf Ausflugslokalschemeln oder eben im Sattel, ob unter dramatischem Himmel oder in ein paar wie gemalten Sonnenstunden am Meer, mit regionalen Spezialitäten und kurioser Aussicht auf ein paar einheimisch Geborene, die sich in die 12-Grad-Fluten schwangen…
Bis zur Unkenntlichkeit verplünnt, weil es ja kein schlechtes Wetter gibt usw., erradelten wir uns Wirtschaftswege mit Kiebitz-Kiebitzen und Fasan-Sichtungen, machten bella figura am Nordseestrand mit Schlemmer-Imbiss und verfuhren uns überschaubar selten (alle Bilder: N. Kossel)
So ging es etliche Tage auf zwei Rädern durch die Botanik: Das „Böttcher Dakkar“ durfte endlich wieder heimatliche Luft schnuppern, und das elektrisierte „Scott Silence“ half der eher versehrteren Besitzerin, mit dem austrainierten Pedalierer mitzuhalten. In der Tat schafften wir denn auch alle drei hiesigen Must-Sees: Eiderstauwerk, Husums Nordseeufer, die Eiderschleife. Dass wir mehrere Krähenkolonien um unseren Schlafplatz herum ertragen mussten, die jeweils nur für ein paar nächtliche Stunden den Schnabel hielten, ließ sich angesichts der neu gewonnenen Freiheit wegstecken (und später halt auch abputzen ma sagen).
Bis nach Witzwort ging’s nicht, aber Scheppern war auch schon schön, selbst Gegenwind & ankündigungslos gesperrte Schafswiesen waren schnell vergessen. So schnell, dass El Lüko nochmal klettern wollte und 3 Tage Oberfranken mit Lord Helmchen folgten, jippie! (alle Bilder: N. Kossel)
Sogar ein Tapetenwechsel war noch drin: Von Nordfriesland in den Südosten, ganz neu nun mit einem „Basso Diamante“ aufm Dach. Lord Helmchen und sein „Wechsel“ erwarteten uns im brauereireichen Oberfranken-Hotspot Aufsess – auch da eine reine Punktlandung, weil mit erster Tag Außengastronomie. Begrüßt von „Kathi Bräu“ und dem gewohnten Sonne-Wolken-Mix bei 14 Grad, gefolgt von zwei blitzsauberen Fast-Hundertern mit ordentlich Höhenmetern: das reinste Trainingslager. Aber eben in geschmeidig.
Wie ungewohnt und einfach unersetzlich das alles: unterwegs sein! Draußenluft! Himmel! Menschen! Möge dieser Sommer ein würdiger Nachfolger dieses zart erblühenden Frühlings werden!!!!
In Schlangenlinien bezwang Ausreißer Jan Tratnik gestern zwar nicht den wie von allen Sinnen entfesselt kletternden Etappensieger Lorenzo Fortunato, aber die letzten 3.000 Meter am Monte Zoncolan – the longest 3 k in his life ma sagen… Und weil das kurze Interview direkt danach trotz Schnee drum rum so herzerwärmend war: hier die schimpfwortfreien Passagen (ab Sekunde 10). Ob der in echt so furchtbar nett und schelmisch ist? Das wäre einfach toll. Und überhaupt: Lang leben die Zweiten!
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Bevor es am Mittwoch in Perugia mit dem Giro weiter- und über Schotterpisten in der Brunello-Legende Montalcino romantisch zuendegeht, steht erstmal ein Ruhe-Dienstag an. Zeit, um all die Stürze zu verdauen – und die Tatsache, dass Peter Sagan eben doch noch allen anderen davonsprinten kann!!
Schaufensterbummelentdeckung am Lago Maggiore: vor fast genau 112 Jahren war Perugia schon einmal Etappenort – bei der allerersten Amore Infinito (Bild: N. Kossel)
Als Vorbereitung auf alles Weitere gibt es von Daniel Hagens radsport-seite.de-Seiten einen Etappenplaner mit den jeweiligen Highlights; auch alle Berge des 2021er-Giros gilt es zu bestaunen. Ein Dank dafür geht raus nach Duisburg!
Wie wahr: große Worte noch auf der kleinsten Straße… (Bild: N. Kossel)
Was hat „Spiegel online“ neulich gefeiert: „Bund gibt Hunderte Millionen für bessere Fahrradwege frei“ – klingt ja auch erst mal prima, dass Scheuers Ministerium nach eigenen Angaben bis 2023 „knapp 1,5 Milliarden Euro“ (in echt sind es eher 1,46) für den Radverkehr über verschiedene Fördertöpfe bereitstellen wird. „Geld vom Bund ist jetzt reichlich da“, hieß es vom ADFC, der Scheuers Förderprogramm lobte. Indes: Ob das viele Geld bei näherer Betrachtung noch so viel ist, angesichts der vielen baufälligen Fahrwege und der erst anzulegenden Radelmöglichkeiten bundesweit? Und vor allem: Ob dieses Geld auch wirklich benutzt und verbaut werden wird?
Komfortzone Fahrradweg (Photo by eudyptula on Wunderstock: Licence)
Radfahren macht eben auch Arbeit. Und – bitte!!! – wenn dann irgendwann mal tatsächlich mehr Leute eingestellt werden sollten: Auch „Schneeräumung der Fahrradwege im Winter“ einplanen! Auf Eiskanten und in Matschrillen lässt es sich nämlich so gar nicht komfortabel unterwegs sein – und macht sauer, beim Blick auf die perfekt geräumte Straße daneben. Grrrmpfff.
Jede Fahrt ein Abenteuer?! (Bild von holzijue auf Pixabay)