Wer von der ganz großen Bühne des Giro d’Italia gerade genug hat: Es gibt ja noch andere traditionsreiche Rennrad-Events – wenn sie auch auf Fotos manchmal eher an die provinzielleren Seiten des Radsports erinnern…
PK zu „Rund um Köln“ 2022, mit dem Sieger Nils Politt und dem Gorilla-Greipel nebstbei (Foto: Nicola, Wikimedia Commons, CC-by-sa 4.0, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons)
Morgen nämlich läuft zum 107. Mal „Rund um Köln“, das nunmehr deutschlandweit älteste noch ausgetragene Eintagesrennen für Männer, Erstaustragung anno 1908. Vorjahressieger Casper van Uden triumphierte ja gerade bei der 4. Giro-Etappe in Lecce, kann aber aus eben diesem Grund seinen Titel heuer nicht verteidigen. Das erhöht die Chancen nicht nur vom 2022er-Sieger Nils Politt (der als Mitglied vom „National Team Germany“ antritt), sondern auch jene von Biniam Girmay, der 2024 als Zweiter im Ziel war…
Rund um „Rund um Köln“ 2024: mit Biniam Girmay, dem Zweiten vons Janze (Foto: Nicola, Wikimedia Commons, CC-by-sa 4.0, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons)
…und dem es sicher zugutekommt, dass die Strecke mit 181 Kilometern so kurz und sprintergenehm wie nie ist, wenn auch der Agathaberg 372 Meter über dem Meeresspiegel gleich zweimal bezwungen werden muss…
Wipperfürth statt Siena also, und statt Übertragung im Fernsehen immerhin ein Livestream der Sportschau, auch mit Sprinterlegende Marcel Wüst am Mikrofon. Sonntagsvergnügen!
Von wegen basso – nix und niente ist niedrig oder gedrungen an diesem Basso Diamante in 61er-Rahmenhöhe! Kein Bergfloh wird es jemals erklimmen, und das ist ja gerade das Coole: Dass so ein so großes Rennrad so elegante aussehen kann und so komfortabel rast.
Und auch wenn wir bunte, buntere und ganz bunte Fahrräder lieben: Diese roheStealth-Optik des Carbons erinnert zu sehr an die Raumschiffe in dystopischen Film-Klassikern der 1980er, als dass es uns nicht berührte. Als ob genau dieses Rennrad den großen Mad Max sicher durch die verstörend zerstörte SciFi-Welt geleiten könnte. Wie „Basso“ selbst die Diamante-Rahmen bedichtet: „Eine kreisförmige Bewegung, die zur Spirale wird, wenn sie sich selbst ergänzt und die Vergangenheit und die Zukunft einschließt“. Einfach irgendwie verstörend gut!
Auch wenn sie im Whitepaper zum neuen Colnago V5Rs gar nicht auftaucht (das ist Pogi gewidmet): Spätestens dieses Mehr-als-ein-Fahrrad dürfte Elisa Longo Borghini den Wechsel von Lidl/Trek zum neuen Stall leicht gemacht haben: 1072 Gramm leicht nämlich. Rahmen inklusive Gabel. Und jetzt kommst du:
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Jammjamm, was für ein rennendes Maschin: Das Alan Super Corsa in lilablauer Flipflopmood – rasant, griffig, aerodynamisch, leicht, augenfällig, elegant, zappzerapp. Eben augenzwinkernd straßentauglich. Mit Carbon-Monocoque-Struktur für perfekte Vibrationsabsorption. Isso! Delizioso!
Dieser fratello vom eher unerschwinglicheren World-Tour-Modell V4R bringt einen Hauch von Toursieg in die Beckergrube: Das Colnago V4 in der bestausgestatteten Version mit elektronischer Shimano-Ultegra-Schaltung. Ist himmlisch hellblau und will hoch hinaus! Etwa um bei rasanten Abfahrten zu beweisen, wie viel besser der Luftfluss im spezial gestalteten Frontbereich ist. Aber auch wir auf den endlosen Weiten der Tiefebene profitieren, denn beim Sprint zum Ortsschild in der Windkante des Nordens hilft die Real Dynamic Stiffness des V4-Rahmendesigns dabei, auch bei solch mitunter extremer Belastung ein ausbalanciertes Fahrgefühl zu behalten. Bella figura von Mensch und Maschin. Delizioso!
Nein, liebes Recherche-Team der „Sportschau“: Mathieu van der Poel stellte auch mit seinem aktuell 7. WM-Titel im Cyclocross mitnichten „den“ Rekord (von Erik De Vlaeminck aus dem Jahre 1973) ein – die echte Bestmarkebei Cyclocross-WMsan sich hält immer noch Marianne Vos, mit nämlich 8 Titeln. Eine, die auch über die noch immer ungleiche Beachtung viel erzählen kann, ist die 34jährige Cyclocross-Legende und Nun-Ruheständlerin Sanne Cant – hier mit ihren Dauerrivalinnen Marianne Vos und Daphny van den Brand noch sparsam blickend auf Platz 3 bei der WM 2012:
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Nach zwei Jahrzehnten im Cyclocross hat Cant sich nun am Sonntag bei ihrem Heimat-Rennen in Lille verabschieden lassen, denn jetzt ist Schluss. Leider mit unglücklichstem Platz Nummer 4, aber dafür trugen nicht nur ihre Fans am Streckenrand, sondern auch die drei lustigen Vier auf dem Podium Cants Masken-Konterfei beim Feiern: Lucinda Brand, Inge van der Heijden und Manon Bakker…
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Dreimal gewann Cant die Cyclocross-WM, dreimal den CX-Weltcup, dreimal die EM, und gleich 15 Mal wurde sie belgische Meisterin im Cyclocross – hintereinander! Das waren ganz genau alle Titel seit 2010, erst im Januar 2025 fuhr (in Abwesenheit von Cant, die garantieren wollte, dass das Trikolore-Trikot auch im Winter noch bei Rennen präsent ist) erstmals eine andere nach ganz oben: Marion Norbert-Riberolle. Und die ließ sich jetzt ebenso gerne von Cants Team einspannen wie Marianne Vos, Mathieu van der Poel und Puck Pieterse: für eine semiprofessionellegesangliche Hommage an Sanne Cant, im gemütlichsten Flämisch, das sich wenig um Takt-Ende und überbleibende Silben schert, als neu betextete Version des 1989er-„Clouseau“-Hits „Anne“ (wer kennt ihn nicht?!). Belgien reine Liebe!
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Und weil sich seit der ersten Cyclocross-WM der Frauen vor genau 25 Jahren (die Männer feierten ihre Premiere anno 1950 ma sagen) immerhin einiges getan hat und die Prämie zum Beispiel nicht mehr 27 Euro beträgt, wie Cant letztes Jahr in einem Interview erzählte, oder in einem Männer-Fahrrad in Männer-Rahmenhöhe besteht, wie es Daphny van den Brand noch 1999 passierte, mischen – wenn auch mit ersichtlichen Teleprompter-Moves – nun auch Lucinda Brand und ihre kanadische Kollegin Maghalie Rochette angenehm selbstironisch mit ihren „Dirty Talks“ bei der Podcast-Rallye mit. Und hatten soeben in der 10. Ausgabe Sanne Cant zu Gast, die erzählte, was im und um den Matsch herum alles so dazugehörte und wie sie sich die toekomst ohne modder und trappen, fietsen, sturen so vorstellt.
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Letztes Jahr zog Cant ein bitteres Resümee: „I don’t think Pieterse and Van Empel can even imagine the conditions I had to race in during my early years. You could say I was born too early“ – aber niemand mag sich vorstellen, wie lange das alles ohne die kämpferische Sanne Cant gedauert hätte. Ist ja wohl bester Trost! Bedankt!