Selten schön

Feierabend, nix vor – und du stöberst dich also so durch alles Zweirädrige der Online-Kleinanzeigen und stolperst irgendwann verdutzt: Was? Ist? Das? Ein ganzes Konvolut an Spezialgefährten, und dann noch in alt. Und dann kannst du nicht anders und hast auf einmal zum Beispiel so eine Schönheit im Laden stehen:

Ein Fahrrad für Radball oder Radpolo also. Und beides ist hier in der norddeutschen Tiefebene eben das Gegenteil von verbreitet. Immerhin für Männer aber organisiert die UCI immerhin im 2er-Radball (hier die Regeln in kurz) offizielle Weltwettkämpfe. Zuletzt im Oktober 2021 in Stuttgart, bei den UCI Indoor Cycling World Championships. Der offizielle Youtube-Beitrag zum Finale (Schweiz vs. Deutschland) hat denn auch ausreichend Trend-Appeal:

Etwas realistischer (gerade für Sechtstagerennenconnaisseusen) wird es, wenn ein bisschen Hintergrund-Atmo eingespielt wird. Ich sach ma „Wie heißt die Mutter von Niki Lauda???!!!“…

Aber gut: Abseits von Riesenmehrzweckhallen ist sicher weniger Spektakel und mehr Nur-Sport. Auch von Frauen übrigens, die inzwischen auch radballieren dürfen, wenn auch nicht in einer eigenen Ober- oder gar Bundesliga. Dafür gibt es doch Radpolo! Das ist der UCI zwar offiziell nicht wettkampfwürdig genug, hat aber eine eigene Bundesliga, die nur aus Frauen-Teams besteht. Radpolo-Männer sind seit zehn Jahren geduldet, treten aber (ebenso wie gemischte Teams) nur beim sog. Bundespokal an. Als traditionelle Hallenradsportarten sind Radball und Radpolo weiterhin geschlechtsgetrennt.

Außerhalb der Hallen geht es weniger traditionsbewusst zu; eine rosa Brause war zuletzt sogar versucht, Hardcourt Bike Polo zur Trendsportart hochzumerchandisen. Dabei gab es das doch alles schon: paar Leute (allerlei Geschlechts zuweilen) auf Rädern draußen, Ball dazu, paar Linien und Tore: go. So anno 1898 in Paris, damals als Tri Polo auf drei Rädern. Und auf Eis.

At Fahrräder aus Lübeck mit Radball und Radpolo
Foto von Jules Beau : „Tri-polo, Palais de glace“, zwischen 1898 et 1899

Und nur zwei, drei Jahre später präsentierte „Liebig“ das Sammelkarten-Set Numero 490: „Fahrradspiele“. Da fleucht doch schon ein wohltemperierter Hauch hipsteriger Bikekurieroutdoorkultur durch die gut gekleidete Szenerie!

At Fahrräder aus Lübeck mit Radball und Radpolo

Jedenfalls in der Tat schade, dass beide Rad- solche Randsportarten sind. Ja, klar: technisch anspruchsvoll, körperlich so anstrengend wie verletzungsträchtig, Spiel-Gerät voraussetzungsvoll, Spiel-Plätze rar, Zugucken eher nur im niveaureicheren Stadium verlockend. Diesdas. Aber schon massig Stil und großer Sport, das alles. Und dann halt diese Räder wie gemalt. Für vor- und rückwärts und alles.

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at Fahrräder
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(letzter offener Samstag: 20. August; erster offener Samstag nach der Pause: 1. Oktober 2022)

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