Tube No More? (Stand Juli 2017)

In der MTB-Szene wird ja seit Jahren tubeless gefahren, und es wurde in den letzten Jahren massiv daran gearbeitet, diese Technik auch aufs Rennrad zu bringen. Die schmaleren Felgen und der höhere Druck waren da mit die größten Hürden. Viele Hersteller bringen heute ihre Laufräder in einer 2-Way-Fit Variante auf den Markt so dass man sowohl tubeless als auch ‚klassisch‘ fahren kann.

Für alle, bei denen jetzt nur Fragezeichen aufleuchten: Tubeless bedeutet, dass man (z.B. wie beim Auto) ohne Schlauch fährt.

Was technisch möglich ist, und was neu ist, wird ja von einem gewissen Menschenschlag auch immer gerne sofort probiert – und so hat es mir gewaltig in den Fingern gejuckt! Das Signal aus der at-Technik war klar: „Wir raten davon bisher noch ab“ hieß es da recht emotionslos.

Aus reiner Dickköpfigkeit, und um zu Zeigen, dass der Journalismus eben doch weitestgehend frei ist, und sich hohen Standards verpflichtet fühlt, habe ich mich etwas in die Problematik eingelesen und möchte die Pros und Cons hier kurz auflisten. (Wenn Froome heute nicht stürzt gewinnt er eh die Tour – wir haben also Zeit…)

Pro Tubeless:

  • Geringerer Rollwiderstand bei geringerem Luftdruck und dadurch:
  • Schneller,
  • Komfortabler und
  • Sicherer durch bessere Haftung.
  • Höherer Pannenschutz durch Dichtflüssigkeit im Reifen (und keine Snakebites).
  • Hat man doch einen Platten lässt sich theoretisch ein Schlauch einziehen.

Contra Tubeless:

  • Montage ist aufwendiger.
  • Kompressor ist nötig bzw. sehr hilfreich.
  • Reifen sind Wartungsintensiver.
  • Teurer
  • Schwerer (Rechnet man die Dichtungsmilch zum Gewicht dazu)
  • Sollte es unterwegs zu einem Platten kommen kann man zwar einen Schlauch einziehen, dies aber nur, wenn man den weniger elastischen Reifen überhaupt von der Felge bekommt. Das kann, je nach Toleranz und Zusammenspiel der Hersteller, nahezu unmöglich sein… (Manche Tester empfehlen Reifenheber UND einen Leatherman mitzunehmen!)
  • Es soll vorgekommen sein, dass zu hart gefahrene Reifen von der Felge springen.

Solange man nicht das Pech hat, einen besonders üblen Cut in den Reifen zu bekommen, spricht einiges für Tubeless (eine gewisse Liebe zur Materialpflege und Technikverständnis vorausgesetzt).

Ich sehe es so:
Auf meinem Racer muss ich schnell und ohne Hilfe Dritter/Werkzeug meinen Schaden beheben können. Sowohl im Rennen als auch irgendwo weit weg von Zuhause. Mehr als eine Panne auf 4000km habe ich zwar nicht zu verzeichnen, aber wer steht schon gerne blöd in der Landschaft rum?

Mit dem Reiserad/Randonneur/Gravelbike würde ich, alleine schon wegen des Komforts, aber auch wegen der Pannensicherheit und der Laufeigenschaften, gerne mal tubeless fahren. Und sollte der Ernstfall wirklich eintreten: auf so einer Tour hat man sowieso etwas mehr Werkzeug und Zeit im Gepäck…

 

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